entegutallesgut hat schon darüber sinniert, und ich stelle mir ebenfalls die frage: wenn die fpö und das bzö bundesweit gemeinsam etwa 29% eingefahren haben, dann sind das eine ganze menge leute. viele von diesen leuten müssen demnach, statistisch gesehen, auch in meinem bekanntenkreis sein.
ich habe aber noch niemals mit SO jemandem über politische standpunkte diskutiert, weil all diese wählerInnen ganz offensichtlich nicht dazu stehen, fpö oder bzö gewählt zu haben. ich habe mit övp-anhängerInnen debattiert, mit rettö-sympathisantInnen und sogar mit einem anhänger der christen [und selbstverständlich war das ein mann]. aber niemand aus dem dunstkreis von fpö und bzö war für diskussionen offen.
ähnlich verhielt es sich am tennisplatz, wo mein angetrauter im kreise der vereinsmitglieder die erste hochrechnung verfolgt hat. allgemeines entsetzen darüber, dass der rechte rand nun keiner mehr ist - aber auch unter all diesen leuten müssen etliche gewesen sein, die explizit fpö oder bzö gewählt haben müssen.
warum, frag ich jetzt mal plakativ, stehen nur die rechtsrechten zu ihrer wahl? warum macht der großteil der rechtswählerInnen nach außen hin einen auf gegnerschaft, wählt aber heimlich stramm rechts? und vor allem: warum kriegen die dann den mund nicht auf, wenn es im bekanntenkreis um politische themen geht?
ich finde das eigenartig, in mehrfacher hinsicht:
- was sagt das aus, wenn ich nicht zu der partei stehe, die ich gewählt habe?
- warum ist es ein tabu, sich rechts zu bekennen, wo doch jede wahl wieder einen rechtsruck bringt?
- warum verschließen sich die rechten diskussionen, die oberhalb des stammtischniveaus stattfinden?

17 Kommentare:
Entweder stehen diese Leute nicht zu dieser Partei und wollen sich damit auch nicht identifizieren. Sie wählten sie einfach, weil ihnen die anderen nicht schmeckten. (Da wäre Dinkhauser, LIF oder die KPÖ auch eine Alternative gewesen.)
oder
Man steht erst zu dieser Partei, wenn es zum guten (Überlebens)Ton gehört, wie wir es bereits aus der Geschichte her kennen.
das phänomen ist in kärnten ein ganz besonderes... weil hier wählen ja fast alle (wie es ausschaut) "rechts" und das schon jahre lang. und keiner will es je gewesen sein...
keine ahnung, warum das so ist.
@entegutallesgut: ich möchte hoffen, dass die masse der rechtswählerInnen sich tatsächlich nichts dabei gedacht hat. ich habe nämlich wirklich angst, wenn ich daran denke, wie es in österreich aussähe, hätten die das sagen ...
@stilke: interessant, oder? und dabei sollte man denken, haider wär wenigstens in kärnten salonfähig.
mal abgesehen davon, dass es sozial unverträglich ist, sich als rechts zu outen. viele in dieser wählergruppe sind nicht rechts(extrem), wissen aber genau, dass sie in diesen topf geworfen werden, eine debatte ist ihnen dann einfach zu mühsam.
die gründe, diese beiden parteien zu wählen sind vielschichtig, ich denke es wäre naiv und gefährlich das nicht weiter zu hinterfragen - so werden wir in österreich nicht weiterkommen. von "ich habe ja eigentlich gar nichts gegen ausländer, aber..." bis zu reinem protest gegen die großparteien, dem wunsch nach einer starken hand und die sehnsucht nach vergangenen zeiten, als es "uns" noch gut ging (und das sind nicht die nazizeiten sondern die 70er), dem strache seine blauen augen, dem haider, der es denen in wien zeigt, ist da alles dabei.
deswegen kotzt mich ja der jubel der spö so an. övp und spö sind doch schuld, dass es soweit gekommen ist.
der folgende satz stammt aus einem forum:
"schau, ich würd nie den strache wählen. ich hab aber dem haider diesmal (zum erstenmal) meine stimme gegeben, weil ich das gefühl habe, dass der u.a. was für die familien und frauen tut. weshalb ich deshalb ein rassisst sein soll, versteh ich gar nicht."
ist ja interessant, aber furchtbar kurzsichtig, oder? wer haider und strache wählt, weiß doch, was er damit AUCH wählt. man nimmt diese rechten auswüchse einfach in kauf.
Das ist Österreich wie es leibt und lebt
es ist vor allem das kurzsichtige denken. das hereinfallen auf eine darstellung im fernsehen, die der zugehörigen politik nicht entspricht. wer den herrn haider wegen der familienpolitik wählt, sollte mal auf eine seiner kundgebungen gehen und sehen, in welcher gesellschaft er sich dabei befindet.
helfen würde nur, die dinge zu thematisieren und breit zu diskutieren. was aber im moment nicht möglich ist, weil sich eben die meisten dieser wähler einer diskussion nicht stellen (wollen).
Nicht zu unterschätzen sind die ganzen Serben, Kroaten, Rumänen, Bulgaren, Russen, etc. mit einem österreichischen Pass. Die Mehrheit wählt FPÖ.
Und die Erstwähler - da gibt es zum Beispiel ein Wiener Gymnasium in dem die Mamas den Haider wählen und die Töchter den Strache.
Oder ein anderes Wiener Gymnasium in dem der Strache eingeladen war und nach der Diskussion an den Kindern Mannerschnitten verteilt hat (ich weiß, sehr großzügig, aber Kids ticken anders)
schlimm! *grusel*
@stadtfrau: Jetzt habe ich aber kurz nachdenken müssen, inwiefern die Autorin des Kommentars aus dem Forum glaubt, Haider stünde für mehr Familienpolitik.
Rufe ich die B-Z-Ö Seite auf, stehen bei Ziele, Ieen und Visionen der Punkt Familie an letzter Stelle. Das spricht doch Bände.
Es gibt bei besagter Partei zum Beispiel eine Seniorenplattform, eine Jugendplattform, aber KEINE Familienplattform.
Haider ist und bleibt eine charismatische Figur. Diese Figur hat den Wahlkampf gemacht und das hat den Stimmenzuwachs ausgemacht. Nicht das Programm.
@entegutallesgut: ich denke, der forumsperson geht es um die finanzspritzen, die es in kärnten wohl für mütter und/oder kinder gibt. das volk will scheinbar "fürstengeschenke", brot und spiele. dass kärnten gleichzeitig die höchste verschuldung hat - who cares?
bei den wahlergebnissen kann man wahrlich sagen: wenn sich zwei streiten, freut sich der dritte (und der vierte, in dem fall).
@stadtfrau: glaube ich auch, denn haider hat allen außer den ausländerInnen alles versprochen. dass kärnten die höchste verschuldung hat, kam zwar kurz einmal zur sprache, bewegte aber nicht weiter. selektive wahrnehmung und das rhetoriktalent haider machten das gleich wieder vergessen.
@hausfrau: die haben auf jeden fall grund zur freude. und jede menge munition jetzt für die kommenden monate ...
vielleicht findet, wer Haider wählt, das Wählen sowieso überflüssig. Führt doch nur zu immer neuem Palaver. Wozu sich dazu bekennen? Wichtig ist ihm nur, dass es endlich einer richtet: Die Ausländer raus und wieder Arbeit für alle und Trachtenabend. Da soll endlich einer in diesem demokratischen Kusselmuddel das große BASTA sagen und was tun. Der Faschist ist in seinem Selbstverständnis der "Macher", nicht der Wähler und Diskutierer. Die gibt es in allen Bevölkerungsschichten, da bin ich mir sicher.
"der führer denkt für uns" - da braucht man nimmer extra selber ...
ach herr doktor. gibt´s dagegen keine pillen? :)
das skurrile ist ja, dass selbst zuwanderer eine große gruppe der fpö-wähler sind.
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