da und dort wurde ja schon darüber geschrieben, jetzt muss ich als frau das thema auch nochmal aufgreifen. der herr mitterlehner lehnt im standard-interview die von der frauenministerin vorgeschlagene quote ab. sogar diese völlig unambitionierte quote von 40% bis 2010.
zwar hält er von gleichbehandlung sehr viel, lässt er uns wissen, aber nicht von quotenregelungen. die wären ja eigentlich etwas abwertendes. haha! frag ich jetzt: für wen?
offensichtlich sollte präzisiert werden, was genau unter "quotenregelung" zu verstehen ist. meint der herr mitterlehner etwa, die frauen würden direkt ihrem artgerechten dasein als mutter entrissen, um fortan im management eines großen konzerns weiterzuarbeiten? heißt "quotenregelung", dass irgendeine x-beliebige frau, am besten eine aus dem reinigungsteam, dann einem hochqualifizierten, bestens ausgebildeten, hoch ambitionierten mann den job wegnimmt, der ihm eigentlich zustünde? hmmm?
quotenregelung von 40% heißt meinem verständnis nach: in 4 von 10 fällen bekommt bei gleicher qualifikation die frau den job. das sollte die männerwelt nicht kratzen, damit wären frauen nach wie vor in der minderheit.
es geht also nicht darum, irgendwelche frauen alibihalber irgendwohin zu setzen. es geht auch nicht um eine gnadenaktion im sinne der schönen optik, wie manche offenbar meinen. SO wäre es tatsächlich völlig sinnlos und auch wertlos für die sache der frauen.
quotenregelung bedeutet schlicht und einfach, dass frauen wenigstens in 4 von 10 fällen eine chance haben, während die anderen 6 sich sowieso trollen müssen. das kann ich nicht als abwertend betrachten [abgesehen davon, dass ich mit diesem schlüssel nicht einverstanden bin], erst recht nicht abwertend im dem sinn, den herr mitterlehner offenbar meinte.
eine quotenregelung ist offensichtlich hierzulande notwendig, weil immer noch zum großteil männer in den gehobenen positionen sitzen, obwohl es mittlerweile [ohja, auch frauen dürfen schon universitätsabschlüsse machen!] genug frauen gibt, die den job locker ebenso gut machen könnten. möglicherweise sogar besser. aber: sie werden von vorneherein nicht in betracht gezogen.
das hat viele gründe. alte gewohnheit, wahrscheinlich. die allgemein herrschende vorstellung, frauen wären zu weich, zu hysterisch oder zu wenig konsequent für aufgaben im management. längst gebildete männerseilschaften, die sich zum wesentlichen zeitpunkt dann eben positiv auswirken. für die protegierten männer. [aber wehe, eine frau wird protegiert. dann ist sie eine schlampe und hat sich hochgeschlafen].
ok. weiter im text. herr mitterlehner meint, man könnte dasselbe ziel, nämlich mehr frauen in führenden positionen zu haben, auch qualitativ erreichen [denn eine frauenquote steht ja nicht für qualität, wie wir gelernt haben, sondern wäre nur ein unnützes zugeständnis für minderbemittelte frauen, die glauben, sie könnten die kreise der männer stören].
beispiel skandinavien, das herr mitterlehner selbst ins spiel bringt. dort ist noch keine firma den menstruationsbeschwerden einer frau zum opfer gefallen. bisher haben auch keine scharen von arbeitnehmern haareraufend die flucht ergriffen, weil ihre weiblichen chefitäten sie kreischend in den wahnsinn getrieben haben. auch die wirtschaft ist in skandinavien - fast ein wunder, oder? - nicht in vormittelalterlichen zustand zurückgefallen, weil frauen dort sehr viel bessere karrieremöglichkeiten haben.
der clou ist aber: "Der eigentliche Grund, warum Frauen in Skandinavien bessere Karrieremöglichkeiten haben, ist ja nicht die Quote: Dort sind Familie und Beruf viel bessere vereinbar, etwa dank Kinderbetreuungseinrichtungen."
ja! DAS ist ja mal eine jahrzehntelange, ach, was sag ich, eine jahrhundertelange forderung der övp, endlich beruf und familie für die frauen viel besser vereinbar zu machen. eine kernkompetenz, eine zentrale parole auf den fahnen von herrn mitterlehners partei. ja doch, verbessern wir die kinderbetreuungseinrichtungen, anstatt uns um die quote zu kümmern.
ähm. ja. das liegt natürlich jetzt ein bissl am weltbild des herrn mitterlehner, denn - ich weiß, das ist jetzt hart - es gibt auch frauen, die keine kinder haben und auch keine wollen. denen wird eine verbesserung der familienpolitik wohl eher nichts nutzen. familienpolitik ist nicht gleich frauenpolitik.
wer sagt eigentlich, dass mensch zwischen frauenquote und verbesserten kinderbetreuungseinrichtungen wählen müsste? lässt sich nicht beides gleichzeitig umsetzen?
6 Kommentare:
Ich finde das Wort "Quotenregelung" derartig daneben, wenn es so weit kommen muss, dass Frauenbeschäftigung in Quoten geregelt werden muss und nicht nach Wissen und Fähigkeit. Nehmt dieses Wort bitte aus der Politik heraus!
Genauso wie Kinderbetreuungseinrichtungen. Welches Kind will man in eine "Einrichtung" stecken.
Jetzt mal abgesehen von der Wortklauberei, kann man einen Status, wie er derzeit in Finnland herrscht, noch nicht erreichen, denn damit muss auch das Schulsystem als weiterführende "Einrichtung" geändert werden.
Übrigens deine Argumentation, dass Frauen wegen ihres Charakters nicht in höhere Positionen genommen werden, ist sehr überzeichnet. Es ist noch immer das größte Problem "schwanger" zu werden. Und so lange sich Väter nicht für eine Karenzauszeit melden, wird es dahingehend immer zu diesem einseitigen Denken kommen: Frau schwanger, Frau weg, Frau hat Kinder im Kopf, kann sich nicht um den Job kümmern, denn Frau muss funktionieren.
(Ich habe gerade den Jörgl Film gesehen und mir ist fast schlecht geworden dabei. Das nur nebenbei erwähnt.)
stimmt, es ist traurig, dass es diesbezüglich überhaupt schritte geben muss.
überzeichnung hat immer mindestens ein körnchen wahrheit ;) - abgesehen davon: es hat viele gründe, warum frauen schwer in höhere positionen kommen, mehr wahrscheinlich, als hier aufgezählt sind.
jörgl-film? zur mittagszeit? du hast ja einen starken magen *hrhr*
sorry, aber ich verstehe deinen Angriff auf den M. nicht. Ich glaube du unterstellst ihm aus Antipathie (weshalb eigentlich?) mal ein Gedankengut. Ich kann das aus dem Interview nicht rauslesen.
Ich bin auch gegen Quoten, weil ich sehe dadurch sehr wohl eine Abwertung. Ja, eben durch dieses Gerede. Und ich möchte durch leistung und nicht durch Quoten einen Job bekommen.
Ich sehe das auch sehr unternehmerisch, es gibt nicht in allen Branchen viele Frauen, obwohl in den letzten Jahren es ein Bemühen von Seiten der WKÖ gab diese Zweige für Frauen interessant zu machen. Dreimal darfst du raten, wer vorher mordswichtig in der WK war? Richtig, der Herr Mitterlehner.
Eine Freundin von mir die an einer FH studiert ist die einzige Frau unter Männern. Wenn da die 40%-Quote zu tragen kommt, könnten wirklich Männer die besser qualifiziert sind durch die Finger schauen.
und als Unternehmer ist eine Quotenregel auch sehr problematisch. Stell dir mal die ganze Bürokratie vor. Und das glaube ich, rechnet er auch mit ein. und im Prinzp geht es dem Staat nicht an aus welchen Gründen wer wenn einstellt.
und ja, ich sehe es nicht ein, wenn jemand vorgezogen wird, obwohl ich eine bessere Qualifikation habe als die andere Person.
Und ja, ich bin für positive Diskriminierung, also bei gleicher Quali Job für die Frau/ Migrant. So wie ich den Mitterlehner einschätze und so "kenne", ist er dem auch nicht abgeneigt.
Ich sehe es da so wie Ente, dass da Schwangerschaft und so eher Bremser sind.
Sehr unfair finde ich auch deine Aussage, dass er nix gegen die Ausbildung tut. Gerade er gilt als Gesamtschulbefürworter von der VP.
Gerade ihn sehe ich, als einen der gegen seine Partei auch in der öffentlichkeit was sagt. Und komm jetzt nicht mit dem Killerargument Eitelkeit. Ich glaube, der tut das aus Überzeugung.
siehe hier.
http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/335797/index.do?from=suche.intern.portal
und wenn du schon kritisierst, dann den ÖGB-Chef Foglar auch. der ist auch dagegen. lies Standard. und das ist ja ein roter.
sieh mal da.
Die HH in Ehren, aber wäre es nicht gescheiter mehr Geld für gleiche Arbeit zu holen. Da fängt für mich Gleichberechtigung an. Jawohl, mich regt auf, dass nur dann von bessere Bezahlung für Lehrer dann auftaucht, wenn ein Männermangel herrscht. Das finde ich verachtend.
dann kommen die 40%
übrigens, was ist mit reinen Frauenberufen wie Hebamme. muss man nun da auch 40% Männerquote einführen? Ich halte dass für irreal.
aber Quoten nein, aber positive Diskriminierung ja.
hier gibts eine interessante Diskussion just zu dem Thema.
http://zurpolitik.com/?p=1245
wieso ist die quote abwertend? sie wäre es, wenn irgendeine frau den job bekäme, so aber bekommt ihn eine frau, die genauso qualifiziert ist wie ihre männlichen bewerbungskollegen.
es gilt also nach wie vor das leistungsprinzip. nur haben dann etwa vier von zehn frauen mehr als bisher die chance, aus ihrem wissen tatsächlich auch was zu machen.
wenn es weiter läuft wie bisher, hat auch die qualifizierte frau eine chance <1.
deswegen ist es auch kein argument, dass es "frauenarme" zweige gibt bzw. bereiche, wo kaum männer tätig sind. wo keine gleich qualifizierte bewerbung einer frau, dort keine quotenregelung möglich. ich verstehe das diesbezügliche hyperventilieren nicht, es ist doch ganz einfach.
niemand hat [bisher] behauptet, die quotenregelung müsse gegen jeden sachzwang und hausverstand angewendet werden.
gleiches geld für gleiche arbeit ist ja eine parallelschiene, genauso wie die kinderbetreuungseinrichtungen. auch das könnte man gleichzeitig abarbeiten, ich sehe kein entweder/oder, was massnahmen betrifft.
und: ich finde das niedlich, wie du den herrn m. verteidigst. über geschmack lässt sich nicht streiten, und ich habe ihn nicht persönlich diffamiert und seine eitelkeit mit keinem wort erwähnt, das möchte ich schon extra betonen ;)
Ich halte ihn für selbstbewusst, (bei der Plassnik hast du das Selbstbewusstsein auch als Eitelkeit ausgelegt - darauf habe ich angespielt) der durchaus sich seine Meinung zu sagen traut, auch wenn es nicht opportun ist.
Ich trau ihm einiges im positiven Sinne zu.
That's it.
das ist auch OK so. jede/r hat seine menschen und prinzipien, für die sie/er eintritt.
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