Mittwoch, 04. Jänner 2012

gottlos

der einzig richtige zustand jedes menschen - zumindest derer in oberösterreich - ist der des hochreligiösen katholiken.

vor diesem göttlichen grundgesetz muss die neueste bahnbrechende idee gesehen werden, die maximilian hiegelsberger heute dem volk kundtut. der mann ist bauernbund-landesobmann, also der övp zugehörig und vor diesem hintergrund selbstverständlich auch hochkompetent, um in glaubensfragen zu sagen, was sache zu sein hat.

nämlich: „Die Geschichte und Identität eines Landes finden sich auch in den geschichtsträchtigen Gebäuden. Die Stifte, Klöster und Kirchen sind Wahrzeichen des Landes Oberösterreich.“

und genau aus diesem grund sollten alle, die keine kirchensteuer bezahlen - kirchensteuer bezahlen. nur, dass sie dann halt "kultussteuer" heißt und einkommensabhängig sein soll.

immerhin wäre es ja so, meint herr hiegelsberger, dass auch die gottlosen ungläubigen von diesen "wahrzeichen" profitierten, aber nicht am erhalt derselben mitzahlten.

ich als astreiner kirchensteuerflüchtling und überzeugte heidin frage mich jetzt natürlich schon, ob nur christliche gebäude in diese kultussteuer fallen sollen oder ob eventuell auch unchristliche bausubstanz mitgezählt wird. und: werden heilige stätten entweiht, wenn sie mit dem dreckigen geld gottloser kirchensteuerflüchtlinge instand gehalten werden?

dieser kultussteuer-vorschlag ist dermaßen absurd, dass ich mich außerstande sehe, nach ernsthaften gegenargumenten zu suchen. auf solche ideen können nur menschen kommen, deren horizont maximal bis zur türschwelle reicht, wenn überhaupt.

ich kann mich noch nicht entscheiden zwischen bemitleiden, kopfschütteln oder lachen. solche abartigen ideen machen mich immer ein bisschen ratlos.

link

[und ps: kann mir jemand erklären, inwiefern ich persönlich von der kirchlichen bausubstanz profitiere?]

4 Kommentare:

Herr P. hat gesagt…

Sie profitieren eventuell indirekt, weil Sehenswürdigkeiten (wozu ja auch viele, jedoch bei weitem nicht alle kath. Kirchen zählen) Touristen und Gäste anlocken, die dann hier speisen, nächtigen, Taxi fahren usw. und damit einen Impuls für die Wirtschaft bedeuten. Man kann das auch als Umwegrentabilität bezeichnen, wenn man möchte.

Das soll aber bitte kein Plädoyer für die hirnrissige Idee des Herrn Hiegelsberger sein. Ich wollte damit nur auf die in Klammern gesetzte Frage antworten.

Thumbsucker hat gesagt…

@Herr P.
"Ein Blick auf die Budgets der Diözesen zeige, dass die Kirche nur den geringsten Teil ihres Budgets für die Denkmalpflege ausgebe. Vielmehr würden die sakralen Baudenkmäler zum überwiegenden Teil von den Gebietskörperschaften und damit ohnehin bereits jetzt dem Steuerzahler erhalten, so Alm. Zudem verfüge die katholische Kirche in Österreich über ein „Milliardenvermögen. Mit umfangreichem Immobilienbesitz, eigener Bank, großen Medienverlagen und sogar einer Beteiligung bei den Casinos Austria“."

Diese Diskussion ist obsolet, denn wir bezahlen ja ohnehin für die Erhaltung von "sakralen Beudenkmälern". Aber bitte - dieses Prinzip funktioniert ja auch beim ORF hervorragend. Man zahlt für etwas, das man nicht konsumiert, weil es eben zugängig ist.

Herr P. hat gesagt…

@Thumbsucker,

... und da haben Sie noch gar nicht erwähnt, dass die Bürger die Religionslehrer bezahlen und der Kirche immense Privilegien in diesem Land zuteil werden. Ich glaube, dass die Krise gar nicht so heftig werden kann, dass die genannten Privilegien endlich einmal angerührt werden. Zwar fehlt bei echter Bildung (den Universitäten) das Geld an jeder Ecke, stattdessen gibt man jedoch für religiösen Hokuspokus bereitwillig Geld hin. Vielleicht sollte man diese Debatte auch einmal führen?

tyndra hat gesagt…

stimmt. und ich weiß aus eigener erfahrung, dass man aus der (katholischen) kirche auch nicht - wie vielleicht vermutet - bei einer kirchenstelle austritt. sondern beim gemeindeamt.

[also dort, wo die offenbar auch ihre daten beziehen]